Schnitzel in der Wildkräuterei Köln? Ein außergewöhnlicher Wildkräuterspaziergang.

Tag der Offenen Tür der Wildkräuterei

Sich auf eine alte Liebe erneut einzulassen, ist immer so eine Sache. Ich habe es getan. Meine alte Liebe – die zu wilden Kräutern – ist wieder in mein Leben eingezogen, nachdem ich sie viele Jahre außer Acht gelassen habe. Und mit ihr kam meine Freude wieder, auch Texte über Kräuter, Kräuterwissen, Erfahrungen mit Kräutern und die Möglichkeiten, Wildkräuter ins Leben einzubeziehen, zu verfassen.

Vergangenes Wochenende habe ich meinen inneren Schweinehund an den Ohren bis nach Junkersdorf gezogen – oder vielmehr bin ich mit ihm bis in den dort wild wuchernden Kräuterei-Garten geradelt. Mica Frangenberg, Inhaberin der Wildkräuterei Köln, bietet Interessierten hier unter anderem kleine und große Wildkräuterspaziergänge in ihrem Garten an.

Nachdem ich mich mit den Worten „Ich bin zu früh“ 20 Minuten vor Spaziergangsstart angekündigt habe, winkt sie ab:

„Es sind schon welche da!“

Wildkräuterei-Köln Erfahrungen Sofort ist mir die Frau mit dem sonnengekennzeichneten Gesicht und der Pack-an-Ausstrahlung sympathisch. Schnell sind wir im Gespräch und ich beichte ihr, dass ich keine Unwissende bin, sondern mich jahrelang mit wilden Kräutern und deren Wirkung beschäftigt habe. In der Wildkräuterei Köln suche ich vor allem Bestätigung für mein verschüttet geglaubtes Wissen und sicherlich werde ich auch das ein oder andere Neue erfahren. Herzlich sagt sie, dass es zwar selten Menschen mit Kräuterkentnissen hierher verschlägt, sondern es eher Neugierige und Ahnungslose sind, aber willkommen bin ich natürlich.

Mit mir warten 16 weitere Menschen bei einem Glas selbst gemachter Holunderlimonade (die übrigens köstlich schmeckt!) darauf, dass wir den Garten stürmen dürfen. Mica erzählt, wir wären nicht die einzigen Besucher, denn sie teilt sich den Wildgarten mit 1 Millionen Schnecken und ein paar tausend Kaninchen. Und mit Schnitzel. Das Minischwein quiekt. Ich interpretiere es als freudige Erregung, weil Action im Garten ist, und jeder von uns Spaziergängern hat den kleinen Wonneproppen sofort ins Herz geschlossen.

Wir starten auf der ehemaligen Gärtnerei, die zwischendurch ihre Bestimmung als Pflanzenhoheitsgebiet verloren hatte, sodass ihr Gelände viele Jahre als Autowerkstatt und Matratzenlagerhalle diente. Seit 2013 hat Mica den Platz als Garten zurückerobert, Brombeerplantagen gerodet und den Wildkräutern Platz gegeben, sich zu entfalten.

Tag der Offenen Tür der Wildkräuterei

„Jedes Jahr sieht der Garten anders aus“, erzählt sie, und ist begeistert von der riesigen Fläche, auf dem der Spitzwegerich kraftvoll seine Pflanzenkraft in einer Massivität entfaltet hat, wie ich sie noch nie gesehen habe. Das Kraut, welches ich sonst als kleines Weg-Gewächs am Rand von Feldern oder mitten in Wiesen kenne, gedeiht hier so prächtig, dass ich mir die nahrhafte Spitzwegerich-Suppe leicht vorstellen kann, von der Mica schwärmt.

Schnell stelle ich als nicht ganz unerfahrene Kräuterhexe fest, dass ich 1. noch jede Menge Wissen in mir habe, welches zum Vorschein kommt, und dass ich 2. eher die heilende Kraft der Kräuter kenne. Mica hingegen beschäftigt sich mit leckeren Köstlichkeiten, die sie aus Wildkräutern macht, und mit der schmackhaften Seite der Wildgewächse.

Wir starten den 2-stündigen Spaziergang am Hausbeet, der eher ein Spazierstehen ist und deshalb auch von weniger sportlichen Gemütern locker bewältigt werden kann. Dort hat Mica eine Reihe an Küchenkräutern angebaut, die uns Teilnehmern bekannt sind. Auf den Gesichtern meiner Mit-Lernenden kann ich beim Anblick von Rosmarin und Thymian förmlich ablesen:

„Ha! Das kenne ich!“

wilder Kräutergarten in Köln JunkersdorfDazwischen haben sich im Hausbeet aber auch wilde Kräuterpflanzen breit gemacht und jetzt beginnt Mica uns in die Geheimnisse der Kräuterwelt einzuführen. Ein Lächeln umspielt verschmitzt ihren Mund, als sie uns auffordert, das ein oder andere Wildkraut zu probieren. Ich mag ihre rustikale Bräune, ihre pragmatische Art, wenn sie die Teilnehmer deutlich darauf hinweist, dass jemand „im Beet“ steht, obwohl für den Laien kaum erkennbar ist, was an diesem Wildwuchs das Beet sein soll. Innerlich grinse ich und fühle mich in diesem verwunschenen Garten mit all den zauberhaften Plätzen unter schattigen Obstbäumen und mit der riesigen Feuerstelle, die zum gemeinsamen Leben einlädt, schnitzelwohl – so wohl wie Schnitzel, den ich immer wieder lebhaft quieken höre.

Weiter geht das Spazierstehen und wir lernen 3 aus mindestens 100 Wildpflanzen kennen, die in einem 10 m² großen Wildwuchsbeet eingezäunt sind und sich dort selbst ausgesät haben. Der ganze Garten führt an diesem Platz sein Eigenleben, wird hier und da von Mica ein wenig zurechtgestutzt, damit die starken Kräuterheere, wie Brombeeren oder Knöteriche, nicht vollkommen die Herrschaft übernehmen, sondern die Zartblüher, wie die Pimpinelle, auch eine Chance bekommen, sich auszubreiten.

Ins Schwärmen kommt Mica, deren rustikale Bräune deutlich macht, wie sehr sie in und mit ihrem Wildgarten lebt, beim Wiesenbärenklau. Ich selbst stehe mit dieser Pflanze bisher eher auf Kriegsfuß und lausche deshalb besonders andächtig, als sie von all den schmackhaften Gerichten erzählt, die sie daraus zaubert. Denn Kochkurse mit Wildkräutern gibt Mica auch.

Immer tiefer spazieren wir in den wild wuchernden Garten hinein und ich hätte nichts dagegen, wenn mich dieses grüne Paradies einfach verschlingen würde und ich mein restliches Dasein hier fristen müsste. Es wäre mir eine Freude! So viel Energie und Power spüre ich in diesem sprießenden Kleinod mitten in der Großstadt, dass ich behutsam Schritt um Schritt setze, und jeder Spitzwegerich, den ich unter meinen Schuhen zertrample, tut mir leid. Ich halte einen Moment inne, vertraue auf seine Kraft, sich nach unserem Marsch wieder aufzurichten und weiter zu wachsen.

Salat mit WildkräuternDa ist sie wieder: diese Liebe zu Kräutern, die ich in meinem Herzen trage und die mich allem gegenüber dankbar, demütig und achtsam zugleich macht. Diese wilden Pflanzen, die mir mit ihrer ganze Kraft zeigen, wie lebenswert das Leben ist ­– egal, an welchem Ort, und ganz gleich, unter welchen Umständen. Denn Wildkräuter wie diese in Micas Garten lassen sich überall in Köln und in anderen Städten finden. Jeder Park, die Wegränder und Grünflächen sind voll davon. Wildkräuter entwickeln ihre eigene Kultur, gedeihen friedlich nebeneinander, sind nährend und heilend. Und wie ich jetzt Dank Mica weiß: Ich kann sie kreativ zubereiten!

Ich freue mich, wie begeistert ich selbst wieder bin. Auch meine Mit-Spaziersteher zeigen große Freude, als sie beim Ratespiel nach 2 Stunden doch tatsächlich Kräuter wieder erkennen, die Mica ihnen auf humorvolle Weise ganz zu Beginn der Kräuterreise nahe gebracht hat. Mein Wissensdurst und meine Kräuterlust sind nun übergroß und noch lange nicht gestillt, aber einen Anfang habe ich gemacht und meine alte Liebe wiederentdeckt. Logisch, dass der Salat am Abend mit einigem Wildkraut angereichert wurde, das ich auf meinem Nachhauseweg gefunden habe.

Wenn Sie erste Kräutererfahrungen machen möchten, wissen wollen, wie Sie Ihr Abendessen mit heimischen Wildkräutern aus dem Garten oder vom Spaziergang aufpeppen können, oder wenn Sie ganz einfach eine neue Erfahrung beim Wildkräuterspaziergang in Köln-Junkersdorf machen möchten, dem empfehle ich die

WILDKRÄUTEREI-KÖLN

Dürener Straße 420

50858 Köln-Junkersdorf

Facebook: https://www.facebook.com/Wildkraeuterei

 

Autorin: Textlady

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